Vielen Dank an Bernd Lindemann. 4 Wochen lang hat bei ihm jede Nacht der Anrufbeantworter geklingelt um unseren aktuellen Blog entgegen zu nehmen, den er dann manuell eingepflegt hat.

Und vielen Dank an Siegmund Schneider, der unsere Homepage eingerichtet hat und sie ständig aktuell hält.

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Seit einer Woche sind wir jetzt zurück. Jetlag und Muskelkater liegen hinter uns. Zeit für einen Rückblick auf die zurückliegenden Wochen.

Die Analyse der Eiskarten zeigt, dass trotz offenen Wassers im Juni der einsetzende Nord-Ost-Wind im Juli das Eis vor die kanadische Küste geschoben und damit unsere Querung unmöglich gemacht hat. Wir wissen jetzt wie 8/10 Eisbedeckung (orange Fläche) aussieht . Unpaddelbar !

Die ständigen schwierigen Wetterbedingungen haben wir in der Regel als Herausforderungen gesehen. Nur zwischendurch hätten wir uns ein bischen mehr Sonne gewünscht. Doch die Begegnungen mit Narwalen, Belugas, Eisbären und Moschusochsen in dieser atemberaubenden arktischen Landschaft war jede Mühe wert.

zusammen mit Hans Jensen vor seinem Hotel in Qaanaaq

Kurzfristig können wir zwei Motorboote organisieren, die uns samt den Kajaks nach Qaanaaq bringen. Nach dem unbeständigen Wetter der letzten Wochen sind wir nun sicher, den Rückflug zu erreichen. Bei Sonne und fast Windstille genießen wir die rasante Fahrt zwischen den Eisbergen. Für die letzten beiden Tage haben wir uns im Hotel Qaanaaq eingemietet. Hier haben wir heute Abend das Ende unserer Kajakexpedition 2012 mit einem Glas Rotwein und Narwalragout gefeiert. Der Besitzer bestätigte uns, dass das stürmische Wetter der letzten Wochen sehr untypisch für diese Region ist. Trotz der schwierigen Bedingungen, die wir hatten, haben wir viel gesehen und erlebt. Wir freuen uns schon darauf, die ca. 2000 Bilder und Filmsequenzen zu sichten und auf unserer Seite zu präsentieren. Wer mehr sehen will, ist im Winter herzlich zu unseren Vorträgen eingeladen.

Wir verlassen Atikerdluk bei Sonne und schwachem Wind und werden bereits 1 Stunde später von den freundlichen Fischern am Strand von Siorapaluk begrüßt. Gerne nehmen wir die Möglichkeit an, im hiesigen Gästehaus, einem ehemaligen Wohnhaus einer Familie unterzukommen. Vom Vermieter werden wir zu  einem traditionellen Abendessen mit getrocknetem Lachs und gerotteten Vögeln eingeladen. Danach dürfen wir auch das erste Mal nach 4 Wochen eine warme Dusche genießen.

Endlich hat sich der Wind gelegt. Die Dünung, die sich in den letzten Tagen aufgebaut hat, beschert uns beim Start eine ordentliche Brandungswelle. Schnell erreichen wir Kap Robertson, an dem wir vor 2 Tagen noch gescheitert sind. Heute schiebt uns leichter Rückenwind an den schroffen Felsen vorbei, hinein in den Robertson-Fjord. Kurz vor Siorapaluk schlagen wir in der alten, verlassenen Siedlung Atikertluk unser Lager auf. Hier finden wir gut erhaltene Sodenhäuser und Gräber der Ureinwohner, sowie einige kleine Jagdhütten der modernen Inuit.

Die ganze Nacht hat das Zelt im Sturm geknattert, mehrfach löst sich das Dach, da sich die Kunststoffhaken durch die Belastung aufbiegen. In den Morgenstunden lässt der Wind nach, sodass wir noch etwas Schlaf finden. Nachdem das Barometer gestern den ganzen Tag gefallen ist, steigt es jetzt mit derselben Geschwindigkeit wieder an. Wir sichern noch einmal zusätzlich das Zelt mit weiteren Steinen ab. Gegen Mittag kommt der Sturm zurück, jetzt aber aus westlicher Richtung.

Wir stehen um 4 Uhr auf, weil wir das Schwachwindfenster nutzen wollen. Der Wetterbericht hatte Recht, es ist fast windstill. Zügig erreichen wir die ersten Kaps, die im Nebel und Dunst vor uns auftauchen. Am nächsten Kap freuen wir uns noch auf die letzten 20 Kilometer bis Siorapaluk, als uns heftige Windböen entgegen blasen. Zunächst denken wir noch an einen Kapeffekt und halten dagegen an, doch der Wind wird immer heftiger. Die Gischt wird schon verweht, wir sind mitten in einem Sturm.Im Päckchen lassen wir uns durch die hohen Wellen zurück treiben, bis wir in einen geschützten Fjord abbiegen können. Nachdem wir angelegt haben, messen wir am Strand immer noch 8 Beaufort. Das Zelt sichern wir mit Booten, Steinen und allen uns zur Verfügung stehenden Leinen. Da auch die Lufttemperatur  deutlich angestiegen ist, handelt es sich um einen sogenannten Fönsturm, einen Piteraq.